850 / 23

Tarrach,  1982 anerkannt durch  Preisverleihung, wird kurz darauf zwangsausgebürgert, flüchtet sich, 23jährig, zu Freunden in Bonn und West-Berlin, reist umher, studiert und wendet sich wieder der Kunst zu. 

„Die roten Augen des Systems, ihr link auf meine Seele, ihre banalen Attribute, unzählige Vernehmungen und schließlich die Exmatrikulation geistern erst jetzt durch meine Installationen."

Tarrach hat mit seinen „blue line installations“ einen ästhetischen Weg erarbeitet, auf dem er sicher und mit dem Gespür für feine Stilistik, intelligente Wendungen und brutale Reflexion, psychosoziale Hintergründe, gesellschaftliche Abgründe und menschliche Devianz sichtbar macht.

Der junge talentierte Tarrach hat es in seinen 22 Jahren DDR- Vergangenheit auf ein stattliches Konto von operativen Vorgängen bei der Staatssicherheit gebracht. Namhafte Künstler wie Steineckert (Texterin), Gohde, Grassoff (Schauspieler), Heise (Filmemacher), Kondaine (Tacheles) und Demmler (Texter) unterstützten den nonkonformen jungen Künstler, der in Stalinstadt an der Oder geboren wurde.

„Mit sieben Jahren zog ich Sonntag früh mit dem Zeichenblock los, um niemand sehen zu müssen.  Um mich herum war eine riesige Lüge. Die Ausflucht in die Welt der Kunst war einsam und doch heilsam, wie ein Trost, ein Rettungsring.“

Seine Freunde wanderten in den Knast oder begingen Selbstmord; in Eisenhüttenstadt, der ersten sozialistischen Gründung nach dem Krieg auf deutschen Boden.